Altimeter Capital stutzt Meta-Anteil um ein Drittel – und setzt stattdessen auf KI-Infrastruktur

Goldene Stier-Skulptur auf schwarzer Plattform, deren Oberfläche in leuchtende Datenknoten und Partikel zerfällt.

Brad Gerstner hat Meta Platforms nicht aufgegeben. Er hat seine Position verkleinert, weil er anderswo etwas will, das er für dringlicher hält. Zwischen dem 31. März und dem 30. Juni 2026 trennte sich Altimeter Capital von rund 598.000 Meta-Aktien – der Bestand sank von knapp 1,95 Millionen auf gut 1,35 Millionen Papiere, ein Rückgang von etwa 31 %. Der Marktwert der verbleibenden Position lag per Quartalsende bei rund 669 Millionen Euro (rund 763 Mio. US-Dollar); ihr Anteil am Gesamtportfolio fiel von fast 20 % auf knapp unter 8 %. Das ist die erste deutliche Reduktion seit mindestens zwei Jahren, und sie fiel genau in ein Quartal, in dem Altimeter gleichzeitig Nvidia ausbaute, eine neue Großposition in Cerebras Systems aufbaute und weitere KI-nahe Werte zukaufte.

Vom Aktivisten zum Langfristinvestor

Gerstners Verhältnis zu Meta beginnt nicht mit stiller Bewunderung, sondern mit einem offenen Brief. Im Oktober 2022 forderte er Mark Zuckerberg in einem auf der Plattform Medium veröffentlichten Schreiben auf, die Investitionsausgaben um mindestens 5 Mrd. US-Dollar zu kürzen, mehr als ein Fünftel der Belegschaft abzubauen und die jährlichen Ausgaben für das Metaverse-Projekt auf höchstens 5 Mrd. US-Dollar zu begrenzen (übersetzt). Der Kern der Botschaft war nicht Misstrauen, sondern Ungeduld: Meta solle das Vertrauen von Investoren, Öffentlichkeit und Mitarbeitern zurückgewinnen, indem es seinen Free Cashflow stärke und das Geschäft neu fokussiere. Gerstner wollte kein anderes Unternehmen – er wollte ein schlankeres, auf KI und Werbegeschäft ausgerichtetes Meta.

Was folgte, war eine der bemerkenswertesten operativen Kursänderungen großer Technologiekonzerne der vergangenen Jahre. Zuckerberg rief 2023 das „Jahr der Effizienz“ aus, strich Zehntausende Stellen und lenkte das freigesetzte Kapital in KI-Forschung und -Infrastruktur. Gerstner hielt durch: Zwischen dem dritten Quartal 2024 und dem ersten Quartal 2026 schwankte Altimeters Meta-Bestand grob zwischen 1,8 und 2,3 Millionen Aktien, der Portfolioanteil lag durchgehend im Bereich von 18 bis 21 %. Meta war über diese gesamte Periode die klare Kernposition des Fonds.

Was die SEC-Daten zeigen

Altimeter Capital reichte seinen 13F-HR – den standardisierten Quartalsbericht, den die US-Börsenaufsicht SEC von institutionellen Vermögensverwaltern mit einem verwalteten Aktienbestand von mehr als 100 Mio. US-Dollar verlangt – für das zweite Quartal 2026 am 14. August 2026 bei der Behörde ein. Das ist der amtliche Stichtag der Daten. Gemäß dem bei der SEC hinterlegten Filing verwaltete Altimeter per 30. Juni 2026 insgesamt 20 Positionen im Wert von rund 9,8 Mrd. US-Dollar.

Die Meta-Reduzierung war dabei der mit Abstand größte absolute Schnitt im Portfolio. Gleichzeitig wuchsen bestehende Positionen in CoreWeave um rund 35 % und in Amazon um rund 16 %. Neu hinzugekommen sind unter anderem Qualcomm, Micron, die Halbleiterausrüster Applied Materials, KLA und Lam Research sowie eine Startposition in Alphabet. Wer diese Liste liest, erkennt das Muster: Es sind überwiegend Unternehmen, die entweder direkt KI-Rechenleistung produzieren oder die Lieferkette dafür aufbauen.

Infrastruktur vor Anwendung

Die zwei größten Positionen zum Quartalsende sind Nvidia mit einem Portfolioanteil von rund 19 % und einem Marktwert von etwa 1,65 Milliarden Euro (rund 1,88 Mrd. US-Dollar) sowie Cerebras Systems mit rund 16 % und etwa 1,40 Milliarden Euro (rund 1,60 Mrd. US-Dollar). Cerebras, ein auf KI-Chips spezialisierter Konzern, steht damit gleichauf mit – oder sogar vor – Meta. Das ist keine zufällige Verschiebung. Gerstner hat öffentlich und wiederholt argumentiert, dass die Recheninfrastruktur für große Sprachmodelle in den kommenden Jahren das knappste und wertvollste Gut in der gesamten KI-Wertschöpfungskette sein wird.

Meta ist in dieser Logik eine Stufe weiter oben im Stapel angesiedelt: das Unternehmen nutzt KI-Infrastruktur, baut sie aber nicht primär für externe Kunden. Als Werbeplattform profitiert Meta von KI vor allem durch präzisere Anzeigenaussteuerung und bessere Empfehlungsalgorithmen – das ist ein anderes Geschäftsmodell als das eines Chip-Herstellers oder Rechenzentrumsbetreibers. Gerstners Reduktion lässt sich damit lesen als eine Verschiebung von der Anwendungsebene zur Infrastrukturebene – nicht als Abkehr von KI, sondern als eine veränderte Einschätzung, wo in der KI-Wertschöpfungskette das Kapital gerade am wirkungsvollsten eingesetzt ist.

Was 13F-Daten nicht sagen

13F-Daten haben strukturelle Grenzen, die jeder Leser kennen sollte. Sie sind rückwirkend – zwischen Quartalsende und Einreichung vergehen bis zu 45 Tage, in Altimeters Fall waren es knapp sechs Wochen. Sie zeigen, was ein Investor zu einem bestimmten Stichtag hielt, nicht warum er kaufte oder verkaufte. Und eine Positionsreduktion kann viele Ursachen haben: geänderte Risikogewichtung, Kapitalfreisetzung für neue Wetten, steuerliche Optimierung oder schlicht die Überzeugung, dass die Bewertung eines Titels das Kursziel weitgehend ausschöpft.

Gerstner hat sich öffentlich seit dem offenen Brief von 2022 klar als langfristiger Meta-Investor bekannt. Daran hat sich formal nichts geändert: Mit gut 669 Millionen Euro (rund 763 Mio. US-Dollar) ist Meta noch immer die drittgrößte Position im Altimeter-Portfolio. Was sich geändert hat, ist die relative Gewichtung – und die erzählt eine Geschichte über Prioritäten, nicht über Zweifel an Metas Geschäftsmodell.

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