Verizon: Glasfaser-Ausbau und Frontier-Deal – warum der Bewertungsabschlag von rund 28 Prozent bestehen bleibt

Leuchtende cyan- und blauefarbene Glasfaserleitungen mit pulsierendem Licht, die sich durch abstrakte urbane Strukturen erstrecken, mit transparentem goldenem Preisschild im Hintergrund.

Verizon Communications hat im Geschäftsjahr 2024 knapp 1,6 Millionen Breitband-Nettozugänge verbucht – ein Wert, der in der jüngeren Unternehmensgeschichte seinesgleichen sucht. Gleichzeitig liegt die Postpaid-Telefon-Kündigungsrate mit 0,89 Prozent im vierten Quartal 2024 auf einem historisch niedrigen Niveau. Trotzdem handelt die Aktie weiterhin mit einem deutlichen Abschlag gegenüber vergleichbaren Telekommunikationsunternehmen. Der Markt glaubt der operativen Geschichte offenbar noch nicht vollständig.

Glasfaser organisch und durch Zukauf

Das Breitbandwachstum von Verizon speist sich aus zwei Quellen: dem organischen Ausbau des eigenen Glasfasernetzes Fios sowie dem funknetzbasierten Breitbanddienst Fixed Wireless Access (FWA). Im vierten Quartal 2024 kamen laut Verizon 408.000 Breitband-Nettozugänge hinzu, davon 373.000 im FWA-Segment und 35.000 im leitungsgebundenen Bereich. Die FWA-Kundenbasis wuchs damit auf knapp 4,6 Millionen Anschlüsse.

Fios wächst langsamer, ist aber das qualitativ hochwertigere Produkt. Der Konzern hat angekündigt, die Fios-Reichweite um bis zu 650.000 neue Adressen auszubauen und dafür zusätzliches C-Band-Spektrum einzusetzen. Wie aus dem Ergebnistransskript zum vierten Quartal 2024 hervorgeht, sieht das Management in beiden Segmenten weiteres Marktanteilspotenzial für 2025 – laut Verizon-Quartalstranskript (übersetzt) ist man zuversichtlich, dass sowohl Fios als auch FWA ihren Marktanteil im Jahr 2025 weiter ausbauen werden.

Den größeren Schritt nach vorne verspricht die Übernahme von Frontier Communications. Verizon kündigte den Kauf des Unternehmens im September 2024 für rund 17,6 Mrd. Euro (20 Mrd. US-Dollar) an; der Vollzug erfolgte am 20. Januar 2026. Frontier betreibt eines der am schnellsten wachsenden Glasfasernetze in den USA. Laut der offiziellen Verizon-Pressemitteilung zur Übernahme erfüllt das Frontier-Glasfasernetz die bestehenden Fios-Standards und soll nach dem Abschluss direkt in das Fios-Netz überführt werden. Die Transaktion erweitert die Glasfaser-Haushaltsabdeckung des Konzerns erheblich und ist der eigentliche Katalysator der mittelfristigen Wachstumsthese.

Kündigungsrate als Qualitätsmerkmal

Für ein Telekommunikationsunternehmen, dessen Geschäftsmodell auf monatlich wiederkehrenden Umsätzen beruht, ist die Kündigungsrate eine der aussagekräftigsten Kennzahlen. Verizon weist für das vierte Quartal 2024 eine Consumer-Postpaid-Kündigungsrate von 1,12 Prozent und eine Postpaid-Telefon-Kündigungsrate von 0,89 Prozent aus – laut den offiziellen Ergebnisdaten des Unternehmens. Beide Werte bewegen sich im unteren Bereich der historischen Bandbreite.

Niedrige Kündigungsraten wirken sich direkt auf den Kundenwert aus. Wer länger bleibt, amortisiert die Akquisitionskosten schneller und bietet mehr Fläche für Zusatzangebote wie Geräteversicherungen, Streaming-Dienste oder Sicherheitspakete. Verizon setzt dabei auf Bündelangebote aus Mobilfunk und Festnetz-Breitband, die die Wechselkosten für Kunden strukturell erhöhen. Je tiefer die Durchdringung dieser Kombipakete, desto stabiler der Umsatz – und desto geringer die Abwanderung.

KI als Plattform, nicht als Versprechen

Unter dem Namen „AI Connect“ vermarktet Verizon eine Infrastrukturplattform für Unternehmenskunden, die auf sogenannte agentische KI-Workloads ausgerichtet ist – also auf autonome Softwareagenten, die selbstständig Aufgaben ausführen. Das Angebot richtet sich an Unternehmen, die KI-Anwendungen in großem Maßstab betreiben wollen und dafür eine gesicherte Netzwerkinfrastruktur benötigen. Im Kundenservice setzt Verizon parallel auf KI-gestützte Sprachsysteme und digitale Assistenten, die Kundenanfragen ohne menschlichen Eingriff lösen sollen.

Der operative Nutzen liegt auf der Hand: Weniger Anrufe, die von menschlichen Mitarbeitern bearbeitet werden müssen, senken die Stückkosten je Kundeninteraktion. Für die Investmentthese ist AI Connect allerdings ein eher langfristiger Faktor. Der B2B-Markt für KI-Infrastruktur ist hart umkämpft, und Verizon tritt dort gegen Anbieter mit tieferer Spezialisierung an. Kurzfristig dürfte der Beitrag zum Umsatz gering bleiben.

Bewertungsabschlag: strukturell oder korrigierbar?

Gemessen am vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis bereinigter Gewinne handelt Verizon laut einer Analyse auf der Plattform Seeking Alpha mit dem Faktor 9,49 – rund 28 Prozent unter dem Median vergleichbarer Telekommunikationsunternehmen von 13,16. Das Kursziel der Analyse liegt bei 57 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 24 Prozent gegenüber dem damaligen Kursniveau entspricht.

Der Abschlag hat eine strukturelle Grundlage. Der bereinigte Gewinn je Aktie fiel im Geschäftsjahr 2024 auf 4,59 US-Dollar gegenüber 4,71 US-Dollar im Vorjahr – laut den offiziellen Ergebnisdaten von Verizon. Das Unternehmen wächst, aber seine Gewinne tun es noch nicht im gleichen Tempo. Hinzu kommt eine erhebliche Schuldenlast, die aus dem Frontier-Kauf resultiert und den Spielraum für Aktienrückkäufe begrenzt.

Wann sich der Abschlag schließt, hängt davon ab, ob die Frontier-Integration die versprochenen Skaleneffekte liefert und ob FWA seinen Wachstumspfad hält. Der leitungsgebundene Breitbandbereich – Fios-Internetzugänge – verzeichnete im vierten Quartal 2024 laut einer Börsenpflichtmeldung an die US-Börsenaufsicht SEC 51.000 Nettozugänge, gegenüber 55.000 im Vorjahreszeitraum. Die Wachstumsrate verlangsamt sich dort. FWA kompensiert das volumenmäßig, ist aber margenärmer. Solange dieser Mix anhält, dürfte der Markt das niedrige Bewertungsniveau als angemessen empfinden.

Die operative Verbesserung bei Kündigungsrate und Breitbandwachstum ist messbar und real. Ob sie ausreicht, um einen Bewertungsabschlag von fast einem Drittel abzubauen, ist eine andere Frage – eine, auf die der Frontier-Deal die entscheidende Antwort liefern muss.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert